aus: MusikWoche, Heft 50/51-2019

Foto: Thomas Wolf, www.Foto-TW.de (CC By-Sa 3.0 DE)

Foto: Thomas Wolf, www.Foto-TW.de (CC By-Sa 3.0 DE)

Frage 1:

MusikWoche wollte von ausgewählten Akteuren der Branche wissen, was München für Unternehmen aus dem Musikgeschäft interessant macht und welche Bedeutung die Musik als Wirtschaftsfaktor für den Standort hat.

»München hat nicht nur eine große Tradition als Standort von Musikstudios, in denen jahrelang international renommierte Künstler aufgenommen haben, sondern verfügt darüber hinaus – sicherlich auch als Folge dieser damaligen Entwicklung – über hervorragende Musiker und eine interessante Musikszene, die allerdings mit öffentlicher Unterstützung sicherlich noch weiter ausbaufähig ist«, analysiert Wolf-D. Schoepe von der Kanzlei K&E Rechtsanwälte für Kultur & Entertainment. »Im Bereich der klassischen Musik zählt München zu den führenden Standorten in Deutschland und in Europa, aber auch alle anderen Musikgenres finden in München statt, sowohl im Livebereich als auch im Tonstudio mit entsprechenden Produktionen.«

Das Livegeschäft von der Klassik über Pop und Rock bis hin zu allen Facetten von Volks- und volkstümlicher Musik sei »definitiv ein signifikanter Wirtschaftsfaktor, schon allein weil solche Events Publikum nach München ziehen, das dann nicht nur Geld für Eintrittskarten ausgibt«, sagt der Fachanwalt für Urheberund Medienrecht: Hotellerie und Gastronomie würden somit ebenfalls profitieren. Darauf könne München künftig weiter aufbauen: »Der neue Konzertsaal wird ein Leuchtturmprojekt weit über München hinaus und diesen Effekt sicherlich noch bestärken«, meint Schoepe. »Unternehmen aus dem Musikgeschäft sind jedenfalls gut beraten, dort präsent zu sein, wo sowohl Kreative als auch Konsumenten in großer Zahl vorhanden sind, und dementsprechend eine Nachfrage generiert wird.« Aber auch die Nähe zu Österreich und der Schweiz wertet der Rechtsanwalt als bedeutenden Standortfaktor: »Zudem hat München als größte Stadt Süddeutschlands und aufgrund seiner Nähe zum gesamten Alpenraum eine Verbindungsfunktion zu anderen Musikmärkten, man denke nur an den prosperierenden österreichischen Musikmarkt. Österreichische Künstler beginnen ihre deutsche Karriere oft in München.«

Frage 2:

Im März 2020 stehen die Kommunalwahl und die Wahl zum Oberbürgermeister von München an. MusikWoche wollte von Managern aus dem Musikbiz wissen, wie aus ihrer Sicht die Bilanz der rot-schwarzen Koalition um den SPD-Politiker Dieter Reiter ausfällt, und was für die Zukunft ganz oben auf ihrem Wunschzettel steht.

Wolf-D. Schoepe, K&E Rechtsanwälte für Kultur & Entertainment: Die Koalition hat immerhin den neuen Konzertsaal auf den Weg gebracht und sollte ihn auch konsequent umsetzen. Das Gleiche gilt für die anstehende Renovierung des Gasteig. Es fehlt allerdings massiv an öffentlicher Unterstützung für die sogenannte Subkultur. Eine lebende Clubszene ist für eine Stadt wie München unerlässlich. Hier ist München nach meiner Erfahrung gegenüber Hamburg und Berlin stark im Hintertreffen. Die Stadt ist gefordert, auch unpopuläre Entscheidungen zu treffen, um die Bildung und das Überleben von Musikclubs zu sichern. Auch dies gehört zum Kulturleben einer Stadt der Größe von München.

Positiv herausstellen möchte ich die Etablierung des Kompetenzteams Kultur- und Kreativwirtschaft der Landeshauptstadt München, wobei ich mir noch eine bessere Unterstützung dieses Teams und insbesondere eine bessere finanzielle Ausstattung wünschen würde. Das Kompetenzteam bewegt schon jetzt sehr viel und kann sicherlich noch erheblich mehr tun.

Die Stadt sollte auch Infrastruktur für junge Künstler bereithalten, was über das Kompetenzteam koordiniert werden könnte. Ich denke an Proberäume und neben den bestehenden Veranstaltungen weitere öffentlich geförderte Veranstaltungen, um jungen Künstlern Auftrittsmöglichkeiten zu geben.

Mit freundlicher Genehmigung der MusikWoche (http://www.mediabiz.de/musik/news/)